Ich öffne die Märzausgabe von „Emotion„, der Zeitschrift für ‚Persönlichkeit, Partnerschaft und Psychologie‘, wie sie sich selbst untertitelt, und finde zwei Hauptthemen:

  1. Sprechen Sie Sex? Dirty Talk oder Verbalerotik für Anfänger
  2. So sind wir. Männer und Ihre Abgründe

„Aha“, denke mir, „Sex sells“ gilt offenbar auch für Zeitschriften, die sich dem großen Thema Psychologie und Lebensberatung widmen und schon bin ich drin in den Tipps und Ratschlägen der Sexualtherapeuten. Sie empfehlen, was alle empfehlen und sie mogeln sich ums eigentliche Problem herum. Hier nun eine kleine Zusammenfassung der Tipps von sogenannten Sex-Experten:

  • „Machen Sie ein erotisches Verhör mit Ihrem Partner oder Ihrer Partnerin. Und achten Sie darauf, dass beide gleichermaßen ehrlich und offen reden.“ (Gott sei Dank bin ich mit einer Kunsthistorikerin verheiratet, die keinerlei Hang zu Autoritätsspielen oder Polizeiverhören hat. So etwas würde mich nicht gerade anturnen.)
  • „Bieten Sie einem ständig drängelnden Partner ein paar „Liebes-Joker“ an, die Sie gerne bei ihm einlösen möchten.“ (Ich greif mir ob solch kindischer Vorschläge nur noch an den Kopf. Sind das Vorschläge für Erwachsene oder für Spätpubertierende? Stellen Sie sich mit mir bildlich folgendes Szenario vor: Die Frau gibt ihrem Mann zu Beginn des Monats, wie im Artikel geraten, zwei Liebesjoker in die Hand, um zu signalisieren, dass sie nur zwei mal im Monat Sex haben möchte. Der Mann verspürt sexuelles Verlangen und möchte mit seiner Partnerin am 5. des Monats schlafen. Er zieht also den Sexjoker bei seinen ersten Annäherungsversuchen. Jetzt ist seine Frau in der richtigen Zwickmühle, denn was soll sie denn jetzt tun, wenn sie genau zu diesem Zeitpunkt keinen Sex möchte? Ihr bleibt nach den vereinbarten Spielregeln, die sich Sex-Experten offenbar am grünen Tisch ausgedacht haben, aber gar nichts anderes übrig, als mit ihrem Mann zu schlafen. Die einfache Aussage: „Du, ich habe heute keine Lust“, geht nicht mehr, hält doch ihr Partner triumphierend seinen Sexjoker in der Hand. Ein derartig kindisches Getue fördert weder eine erfüllende Sexualität noch eine offene und positive Kommunikation sondern vielmehr weitere Unstimmigkeiten und Konflikte. Bin ich froh, dass ich es meiner Frau einfach sagen kann, wenn ich keine Lust habe und sie es mir auch. Klappt ganz gut ohne Joker)
  • „Seien Sie selbstbewusst und nehmen Sie sich was Sie brauchen!“ (Liebe Sex-Experten: Eine Partnerschaft ist nicht der Wilde Westen, wo sich vornehmlich jeder nahm, was er wollte oder zu brauchen glaubte. Es gab damals aus diesem Grund sehr viele Tote. Aber eine Partnerschaft ist ja kein Killerkomando. Gott sei Dank muss ich keine Machtspiele spielen und mir nehmen, was ich brauche. Ich kann völlig entspannt sagen, was ich gerne hätte und meine Frau hat die Möglichkeit „Ja“ oder „Nein“ zu sagen.)

Bei all diesen Vorschlägen bestätigt sich nur eines: der Großteil der Probleme wird so nicht gelöst und führt nur zu noch mehr Problemen. Denn all die „gut gemeinten“ Ratschläge zeigen nur, dass die Partner nicht miteinander reden können. Denn wenn eine Beziehung auf Wertschätzung und Achtsamkeit beruht, dann muss ich nicht lange überlegen, ob ich etwas sagen kann, allerhöchstens wie ich es sagen kann. Mehr zu diesem Thema finden Sie in meinem neuen Buch. Es bleibt die immer gleiche Situation. Es wird zu wenig positiv kommuniziert und die Menschheit leidet unter einem zu geringem Selbstwertgefühl.

Außerdem sind mir bei „Emotion“ noch zwei Dinge aufgefallen. Erstens: der Mann ist der ‚Böse‘ und die Frau kommt nie zu ihrem ‚Recht‘ . Zweitens: Gendern (die geschlechtsneutrale Formulierung) ist in dieser Zeitschrift ein Fremdwort und sie scheint als Frauenzeitschrift konzipiert zu sein.

Die Moral von der Geschichte ist für mich, dass

  1. Sexualität immer noch ein Thema ist
  2. es immer noch schwerfällt, über seine Wünsche und Bedürfnisse zu reden
  3. die Menschen keine abstrakten Vorschläge benötigen, sondern konkrete Hilfestellung erwarten, die ihnen aber nie gewährt wird
  4. Sexualität in der Zwischenzeit als Nebelwand für unbefriedigende Kommunikation hochgezogen wird.
Happy Me - Der Glücksphilosoph

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