Die Geschichte mit dem Hammer

„Ein Mann will ein Bild aufhängen. Den Nagel hat er, nicht aber den Hammer. Der Nachbar hat einen. Also beschließt unser Mann, hinüber zu gehen und ihn auszuborgen. Doch da kommt ihm ein Zweifel: Was, wenn der Nachbar mir den Hammer nicht leihen will? Gestern schon begrüßte er mich nur so flüchtig. Vielleicht war er in Eile. Aber vielleicht war die Eile nur vorgeschützt, und er hat etwas gegen mich. Und was? Ich habe ihm nichts getan; der bildest sich da etwas ein. Wenn jemand von mir ein Werkzeug borgen wollte, ich gäbe es ihm sofort. Und warum er nicht? Wie kann man einem Mitmenschen einen so einfachen Gefallen abschlagen? Leute wie dieser Kerl vergiften einem das Leben. Und dann bildet er sich noch ein, ich sei auf ihn angewiesen. Bloß weil er einen Hammer hat. Jetzt reicht’s mir wirklich. – Und so stürmt er hinüber, läutet, der Nachbar öffnet, doch noch bevor er ‚Guten Tag‘ sagen kann, schreit ihn unser Mann an: ‚Behalten Sie Ihren Hammer, Sie Rüpel!’“ (Paul Watzlawick, Die Anleitung zum Unglücklichsein, S.219, 1987)

Die selbsterfüllende Prophezeihung

Ich weiß: Ihnen wäre dies nie passiert und Sie sagen sich: so reagiert ja kein Mensch! Wie steht es allerdings mit Aussagen, wie jenen: „Ich hab sicher wieder nur rote Ampeln“, „Der Müller wird in diesem Meeting sicherlich wieder nur reden, reden, reden und raus kommt nichts..“, „Hören Sie mir doch mit den Politikern auf, alles Verbrecher“, oder „Ich bin ein Sonntagskind, ich hab immer Glück.“, „Ich mach mir keine Sorgen, es hat bisher immer geklappt.“, „Wenn ich aus dem Urlaub komme, liegt der Schreibtisch sicherlich wieder voller Arbeit.“

Solche Aussagen beeinflussen unsere Denk- und Sichtweise mehr, als wir uns dessen bewusst sind. In der Sozialpsychologie bezeichnet man dieses Phänomen als „self-fulfilling prophecies“, „Pygmalion Effekt“ oder „konfirmatorische Strategien“. In allen sozialpsychologischen Forschungen wird dieses Phänomen als entscheidend für unsere Kommunikation bezeichnet. Unsere Erwartungen und Hoffnungen haben erheblichen Einfluss auf unseren Umgang mit den Menschen im Allgemeinen und unseren Gesprächspartnerinnen und -partnern im Besonderen. Das heißt nichts anderes, als dass unsere Erwartungen, die wir an eine Situation oder an einen Menschen haben, unser Kommunikationsverhalten beeinflussen. Wenn Sie davon ausgehen, dass ein Mitarbeitergespräch sicherlich schwer sein wird, dann werden Sie nach dem Gespräch auch mit einer höheren Wahrscheinlichkeit das Gefühl haben, dass es schwerer war , als es hätte sein müssen. Nur in den seltensten Fällen werden wir positiv überrascht und ein Gespräch oder eine Situation weicht extrem von unseren Erwartungen ab.

Die Kraft der eignen Gedanken

Dies ist sicherlich keine Aufforderung zu einem einseitigen Glauben, dass alles machbar ist, wenn man es sich nur lange genug positiv vorstellt, affirmiert oder sonst irgendwie einredet. Denn wir sind ja nicht alleine auf der Welt und es gibt noch mehr Einflüsse auf die Welt als nur dieses Kommunikationsphänomen. Die Welt ist komplexer als unsere selbst erfüllenden Prophezeiungen und die Wirkungsweisen sind auch nicht auf solch eindimensionale Erklärungsweisen zu reduzieren. Allerdings entbindet uns diese Erkenntnis nicht der Aufgabe, unsere eigenen Einstellungen und Erwartungen zu hinterfragen und bewusst zu gestalten. Der „innere Dialog“ wie im Beispiel vom Mann mit dem Hammer, hätte ja auch ganz anderes laufen können. Auch wenn der „innere Dialog“ bei uns so verlaufen wäre, hätten wir ja eine andere Schlussfolgerung ziehen können. Wir hätten ja mit dem Vorsatz: „Fragen kostet nichts“ an der Tür des Nachbarn läuten können, sicherlich wäre dann ein anderer Gesprächsverlauf herausgekommen. Es geht in diesem Kontext nur darum, dass wir uns bewusster werden, was unser Verhalten beeinflusst. Es stellen sich in jeder Kommunikationssituation mehrere Fragen:

  • Was erwarte ich von diesem Gespräch?
  • Welche Erwartungen habe ich bezüglich des Verlaufes des Gespräches?
  • Welche Erwartungen habe ich bezüglich des Verhaltens der Gesprächspartnerinnen oder -partner?
  • Welche Einstellung, Erwartung wäre nützlich, um eine positive Kommunikation zu erreichen?
  • Wie kann ich alles tun, um einen positiven Gesprächsverlauf zu ermöglichen?

Wenn Sie sich des Einflusses des „Pygmalion Effekts“ bewusst sind, werden Sie auch achtsamer und sensibler mit Gesprächssituationen umgehen. Sie werden die Idee der „positiven Kommunikation“ ganz natürlich und automatisch nutzen, ohne dass Sie sich permanent Gedanken, über die richtige Formulierung machen müssen.


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