Warnung: Kinder können ihre Beziehung zerstören!“ so die Überschrift eines Artikels im Süddeutsche Zeitung Magazin vom 11. Juli 2008. In diesem Artikel ist das Zusammenleben von Max, Julia und der jetzt einjährigen Johanna beschrieben. Ich hoffe nur, dass Johanna dieses „Wunderwerk der Familienpsychologie“ später einmal nie zu lesen bekommt. Bei meiner Arbeit mit Scheidungs- und Trennungskindern stelle ich ohnehin häufig fest, dass gerade die Kinder sich die Schuld für das Scheitern einer Ehe oder Beziehung geben, obwohl das so gut wie nie der Fall ist. Auch die Schlagzeile der Journalistin Mareen Linnartz über diesen Artikel ist einfach falsch und bleibt falsch, auch wenn die „rennomierte Paartherapeutin“ Inge-Olivia Wacker ihre Kommentare zu dem interviewähnlichen Artikel abgibt.

Eines bleibt für mich klar ersichtlich: Die kleine Johanna hat zur Zerstörung der Beziehung lediglich durch ihre Geburt beigetragen. Gut, unter dem Blickwinkel der Erbsünde in Verbindung mit der esoterischen Reinkarnationslehre gesehen, gibt es genug Menschen, die ihr diesbezüglich eine Verantwortung zuschreiben. Meine Analyse des Artikels ist allerdings eine andere. Max und Julia hatten offensichtlich eine völlig romantisierte Vorstellung was es heißt, Kinder großzuziehen. Kinder zu erziehen ist anstrengend; ist stressig und erfordert ein hohes Maß von Anpassung an die Bedürfnisse des Kindes. Diese Beiden machen so ziemlich alle Kommunikationsfehler, die in solch einer Situation gemacht werden können. Ihre Kommunikation ist geprägt von Vorwürfen und Vorhaltungen, von Mißverständnissen und egozentrierten Wahrnehmungsverzerrungen. Aus ihrer Sicht hat jeder einzelne Recht, allerdings geht es in einer Ehe und Familie nicht darum, wer Recht oder Unrecht hat, sonderndie Frage lautet: was macht uns glücklich und wie lässt sich der Alltag für alle erträglich gestalten? Eines nochmals in aller Deutlichkeit: ein Kind im Alter von einem Jahr kann relativ wenig dazu beitragen, den Alltag bewusst erträglicher zu machen. Mit zunehmendem Alter muss auch ein Kind lernen, auf die Bedürfnisse der anderen Rücksicht zu nehmen.

Max und Julia scheitern an ihrer Kommunikation und nicht an der kleinen Johanna. Sie scheitern an mangelndem Verständnis für die Sorgen und Nöte der Patrnerin und des Partners. Ich will dies an einigen Beispielen verdeutlichen.

Julia: Ich beneide den Max, dass er einfach die Tür hinter sich zuziehen und den ganzen Tag arbeiten gehen kann. Ich hätte gern mehr Zeit für mich. Einmal duschen, ohne das Gefühl zu haben, gleich steht die Johanna vor mir und will etwas! Am Abend, wenn Max nach Hause kommt, will er erst mal seine Ruhe. Er hatte ja einen anstrengenden Arbeitstag. Ich hatte aber auch einen anstrengenden Arbeitstag!“

Anmerkung: Hier wird sehr schnell deutlich, wo das Problem eigentlich liegt. Die Bedürfnisse werden nicht mehr artikuliert, sondern es schwingt sofort ein Vorwurf mit. Max lässt sich es gutgehen und ich „Arme“ muss den ganzen Stress alleine aushalten.

Max: Ich bin selbstständiger Schreiner, ackere bis zum Umfallen, um meine Familie ernähren zu können, und dann komme ich nach Hause und werde erst von meiner Frau angeschrien und dann von meinem Kind.“

Amerkung: Auch hier das selbe Prinzip. Max glaubt, er wäre der Einzige, der einen anstrengenden Tag hat und macht seiner Julia einen versteckten Vorwurf, dass sie seine Bemühungen nicht genügend würdigt, sondern ihn auch noch anschreit.

Es wird von beiden die Situation aus einem sehr egozentrischen Blickwinkel gesehen. Wenn beide nicht bereit sind, sich in die Seelenlage des Anderen hineinzuversetzen, dann wird das mit einer harmonischen Beziehung nichts werden.

Julia: Am Anfang, als die Johanna noch kleiner war und abends schrie, hat er sie vielleicht drei Minuten geschaukelt. Und dann stand er schon in der Tür und sagte: Die will trinken, die hat Hunger. Das war einfach ein anderer Ausdruck für: Kümmere du dich um sie.“

Anmerkung: Hier versucht sich Julia im Gedankenlesen und unterstellt ihrem Max, dass er Johanna nur loshaben wolle. Die nächste Bemerkung von Max zeigt auch, dass er es als Vorwurf  – er sei kein guter Vater – empfunden hat.

Max: Johanna hatte einen unglaublichen Hunger. Teilweise musste Julia sie alle halbe Stunde stillen, sogar nachts, das konnte ich ja wohl nicht übernehmen. Aber ich kümmere mich gern um mein Kind. Wenn ich Johanna bade, brauche ich allerdings keine Julia, die mir assistiert, das Handtuch reicht und dann noch Ratschläge erteilt. Ich lege doch keine Baby-Badeprüfung ab! “

Anmerkung: Der nun beleidigte Max reagiert natürlich gleich mit einem Gegenangriff. Nach dem Motto: Angriff ist die beste Verteidigung eskaliert das Gespräch natürlich weiter, denn jetzt bekommt Julia ihr verbales Fett ab.

Anhand dieser wenigen Beispiele wird deutlich, was die eigentlich Herausforderung dieser Ehe ist. Johanna dient in diesem Fall leider als Katalysator und muss als Schutzschild für die misslungene Kommunikation zwischen den beiden herhalten.

Hier sind zumindest zwei der vier sogenannten „apokalyptischen Reiter“ nach John Gottman am Werke:

  1. Kritik/Vorwürfe
  2. Missachtung

Sie sehen also, nicht das Kind zerstört eine Beziehung, sondern der Kommunikationsstil. In meinem Buch: „Liebvolle Worte„, zeige ich auf, wie eine positive Kommunikation in der Partnerschaft langfristiges Glück garantiert. Mehr Rücksichtnahme und eine bewusste Kommunikation führen zu einer glücklicheren Partnerschaft und zu einem ersehnten Familienglück.

Happy Me - Der Glücksphilosoph

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