Eliot Spitzer ließ sich von einer Prostituierten Wünsche erfüllen, die er sich als Politiker lieber nicht hätte erfüllen lassen sollen. Dass er zurücktreten musste, scheint eine logische Konsequenz aus seinem „Fehlverhalten“. Der Vater von 3 Kindern wurde dazu noch öffentlich gedemütigt, da er sich vor der gesamten Weltpresse mit seiner Frau präsentieren musste, um sich für sein „Fehlverhalten“ zu entschuldigen. Eine Privatsphäre wird bei Politikern nicht akzeptiert, in aller Öffentlichkeit müssen sie über die Untiefen ihrer Psyche Auskunft geben, müssen sich einem Tribunal der „Sensationsmeute“ stellen, die es alle ohnehin schon immer gewusst hatten oder „sowas“ nie machen würden. „Aha“, pflege ich in solchen Momenten zu sagen. Ich frage mich nur, mit wem die Prostituierten ihren Umsatz machen, wenn niemand dort gewesen ist noch jemals dorthin gehen würde?

Die viel interessantere Frage ist für mich jedoch: „Warum geht ein Spitzenpolitiker zu einer Prostituierten, um sich offensichtlich Sex der „anderen“ Art zu holen?“ Eine nicht genannte Ehefrau eines erfolgreichen Wall-Street-Managers wird in der New York Times mit folgendem Satz über ihre eigenen Eheerlebnisse zitiert: “There was a Madonna-whore thing going on,” she continued. “He had the perfect wife, the perfect children, the perfect job. But there was still self-loathing.” Für alle, die weniger im Englisch beheimatet sind, eine kurze Übersetzung: „Da ging es um den „Jungfrau Maria-Hure-Effekt“. Er hatte die perfekte Ehefrau, perfekte Kinder, den perfekten Job. Aber es gab immer noch den Selbsthass.“

Dem ersten Teil der Aussage kann und will ich noch zustimmen. Natürlich ist in solchen Beziehungskonstellationen immer eine gehörige Portion „Jungfrau-Maria vs. Hure“ im Spiel. Viele Männer sprechen auch davon, dass sie mit der Prostituierten den „Dirty Sex“ haben können, der ihnen mit ihren Ehefrauen verwehrt ist. Aber Stopp – nicht die Frauen verweigern ihnen diesen „Dirty-Sex“, sondern die meisten Männer wollen keinen richtig „dreckigen Sex“ mit der Ehefrau. Denn, wie bezeichnete ein mir bekannter Restaurantbesitzer sein Verhältnis zu seiner Ehefrau: „Sie ist für mich in den Himmel geschrieben“. Das zeigt das ganze Dilemma der Ehe, denn wer will seiner „himmlischen“ Ehefrau schon die Abgründe seiner sexuellen Wünsche und Begierden kund tun? Ich habe in letzter Zeit eine Umfrage in meinem nicht kleinen Bekanntenkreis gemacht und das Ergebnis war erschütternd. Noch immer reden nur ca. 10 % aller Paare über ihre sexuellen Wünsche und Bedürfnisse. Viele Paare gehen immer noch davon aus, dass sich dies intuitiv erschließe und eine Ehe eigentlich auch nicht der Ort für außergewöhnliche, sexuelle Phantasien ist. Und das 40 Jahre nach Oswalt Kolle und den 68ern.

Das psychologische Phänomen des außerehlichen Beischlafs ist bis dato wenig erforscht. Die meisten Forschungen legen nahe, dass es um den Sex nicht ginge, dass es andere Faktoren seien, die Männer und Frauen zum Koitus außerhalb des eigenen Schlafzimmers treibe. Nichts halte ich für weiter hergeholt als diese Forschungsergebnisse. Denn sie sind geprägt von allgemeinen Moralvorstellungen und meist sozial erwünschte Antworten. Es gibt noch kein Verfahren, welches den Faktor „sexuelle-Attraktion“ zuverlässig messen kann. Natürlich gibt es massenweise Untersuchungen, auf welchen Typ die Frau steht und was einen Mann richtig heiß an einer Frau macht. Mir ist nur eines aufgefallen: es geht immer um körperliche Proportionen und sonstige Schemata, die begründen sollen, warum, wieso, weshalb. Alleine – diese an den Haaren herbeigezogenen Begründungen stimmen nicht, haben doch sehr viele Männer, und gerade in hohen Positionen, ohnehin Frauen, die den gängigen Schönheitsidealen durchaus entsprechen. Da muss also noch mehr dahinter stecken, wenn Mann käuflichen Sex in Anspruch nimmt.

Ich bin felsenfest überzeugt, wenn es um Sex geht, den man bei der Ehefrau oder dem Ehemann nicht erhält, so ist das meist kein „Verschulden“ der Partnerin oder des Partners. Aber unser Rollenverständnis in der Familie ist geprägt vom heroischen und unerreichbaren Vater oder der Maria-ähnlichen und nicht minder unerreichbaren Mutter. Nicht umsonst können sich die wenigsten Jugendlichen vorstellen, dass ihre Eltern Sex miteinander haben. Selbst meine Kinder haben ein sehr beschränktes Bedürfnis, mit uns Eltern über Sex zu reden und Sie können mir getrost glauben: ich habe überhaupt keine Probleme, das Thema Sex anzugehen und in all seinen Facetten mit meinen Kindern oder meiner Frau zu besprechen und zu diskutieren.

Dies alles zeigt mir nur, dass die Sexualität – nahezu 70 Jahre nach Freud – immer noch kein Thema für eine lockere und entspannte Diskussion ist. Wir beklagen zwar die ver-Sex-ung der Gesellschaft durch Medien. In der Tat sehen wir wie kaum eine andere Generation vor uns nackte Haut, Geschlechtsverkehr, Brüste und Penisse. Dieses Phänomen hat jedoch allerhöchstens Stellvertretercharakter, ist aber noch lange kein Zeichen von aufgeklärtem und entspannten Umgang mit diesem Thema. Die moralische Keule, wie im Fall Spitzer, Bill Clinton oder Horst Seehofer, trifft immer noch hart. Ich finde es einfach ungehörig, wenn eine abstrakte Öffentlichkeit, sich in die Privatsphäre von Menschen einmischt, ob das nun Spitzenpolitiker, Manager oder einfach nur Lieschen & Hänschen Müller sind.

Die sexuellen Vorlieben und Neigungen meiner Nachbarn gehen mich nichts an. Mich geht es auch nichts an, wenn meine Nachbarin oder mein Nachbar die Dienste eines Escort-Services in Anspruch nehmen. Freiheit und Demokratie bedeutet eigentlich, dass jeder machen darf, was er will, so weit es nicht gegen Recht verstößt oder wie es der französische Philosoph Jean-Jaques Rousseau formuliert: „Freiheit bedeutet nicht, dass ich tun kann was ich will, sondern dass ich nicht tun muss, was ich nicht will.“ Ich kann mir gut vorstellen, dass die beiden Harvardabsolventen Eliot Spitzer und seine Ehefrau Silda Wall Spitzer ihre Eheprobleme nicht vor laufenden Kameras kundtun wollten. Das Bild, das durch die Presse ging, zeigt auch mehr als deutlich, wie unangenehm den beiden die Situation war. Niemand von uns hat ein Recht, die moralische Keule in solch einer Angelegenheit zu schwingen und eine Familie mit 3 Kindern in aller Öffentlichkeit zu demütigen.

Hat sich jemand Gedanken über die Kinder gemacht? Das ist eine Quälerei auf extrem hohem Niveau, wo bleiben in solchen Fällen die Kinderschützer dieser Erde? Auch ein Politiker und seine Familie sind Menschen, die Gefühle und vor allem eine Würde haben. Und wenn ich mich richtig erinnere, ist die Würde des Menschen unantastbar. Um es klar und deutlich zu sagen. Eliot Spitzer hat keinen getötet, keinen Betrug begangen und „nur“ seine Ehefrau und seine Kinder menschlich enttäuscht.

Er hat einen Hang zu außerehelichem Beischlaf und hat sich eines Escortservices bedient. Fakt ist, er hat nichts Verbotenes getan, er hat keine Straftat begangen. Warum also greifen wir so tief in die Privatsphäre ein? Ich will das nicht bei mir und auch bei keinem anderen. Das Thema Sex muss endlich entabuisiert werden. Ich kann nur allen empfehlen, sich diesem Thema ehrlich, offen und entspannt zu nähern. Reden Sie einfach über Ihre Wünsche und Nöte, über Ihre Bedürfnisse und Ihre Ansichten mit Ihrer Partnerin oder Ihrem Partner. Dies ist schon der erste Schritt hin zu einem erfüllteren Sexleben, ganz ohne Escortservice. Wenn Sie nicht wissen, wie Sie darüber positiv kommunizieren können, dann nutzen Sie mein OnlineCoaching.

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