Sokrates der Jungendverführer

… und trotzdem kennen wir ihn noch heute. Zu Sokrates fällt den meisten Menschen ad hoc ein: das war der mit dem Schierlingsbecher. Jawohl, der war das. Und außerdem stammt von ihm der bekannte Satz: „Ich weiß, dass ich nichts weiß“. Warum aber musste er denn den Becher mit dem Gift leeren und dadurch sterben? Das wissen schon wieder weitaus weniger. Gotteslästerung und die Verführung der Jugend warf man ihm vor.

Er war von Beruf Philosoph (vom griechischen φιλόσοφος, philósophos; „Freund der Weisheit“), das bedeutet in seinem konkreten Fall, dass er durch Athen zog und jeden, den er traf, in einen Dialog verstrickte, bei dem er meist nur Fragen stellte. Der Überlieferung nach solange, bis der Gesprächspartner die „Sokratische Erkenntnis“ (Ich weiß, dass ich nichts weiß) endlich aussprechen musste. An und für sich nicht verwerflich, oder? Wissen wir doch alle: „Wer fragt, der führt das Gespräch“ oder können uns zumindest an den Kinderreim aus der Sesamstraße „Wer, wie, was, wieso, weshalb, warum? Wer nicht fragt bleibt dumm“ noch gut erinnern. Die „alten“ Griechen haben das offensichtlich anders gesehen und fanden die viele Fragerei ziemlich nervig und vor allem staatszersetzend.

Das Prinzip von Frage und Antwort

Warum sind wir trotz alledem so versessen, Fragetechniken zu beherrschen? In jedem Kommunikationstraining oder Führungstraining wird die herausragende Rolle der Fragetechnik betont und meist auch im Rollenspiel stundenlang geübt. Warum glaubte Sokrates mit seiner Fragetechnik auf dem richtigen Weg zu sein?  Warum sind wir bemüht, auf Fragen halbwegs vernünftige Antworten zu geben? Es könnte an der Erziehung liegen, haben mir doch meine Eltern beigebracht, eine Antwort zu geben, wenn ich von jemandem etwas gefragt werde.

Wir stellen uns ständig selbst Fragen

Vielleicht liegt es auch an unserer neuronalen Vernetzung. Gehen doch fast alle Wissenschaftler davon aus, dass Fragen und deren Beantwortung zur Selbsterkenntnis führen. Außerdem trauen wir dem Selbsterkannten mehr als allem von außen Gelehrten oder Gehörten.  Alle unsere Urteile beruhen auf Fragen und auf den Antworten, die wir darauf geben. Wenn wir in eine neue Situation kommen, dann bewerten wir, ob bewusst oder unbewusst, die Situation nach folgendem Schema: „Ist es positiv oder negativ?“. Wir stellen uns in solchen Momenten eine ganze Reihe von Fragen. Unser Gehirn ist also ständig damit beschäftigt sich Fragen zu stellen und ist gleichzeitig bemüht, auch noch sinnvolle Antworten zu finden.

Die meiste Zeit geschieht dies auf eher unbewusster Ebene, d.h. dass ich von diesem Ablauf gar nichts merke. Nur wenn sich z.B. unser „Gewissen“ zu Wort meldet, ist uns die Frage: „Soll ich oder soll ich nicht?“ ziemlich bewusst. Meist sind wir uns des inneren Dialogs auch in Krisen- oder Extremsituationen bewusst.

So habe ich vor wenigen Tagen erfahren, dass ein Bekannter gestorben ist, der nur wenig älter war als ich und den ich sehr schätzte, weil er ein geradliniger, ehrlicher und verlässlicher Mensch war. Die erste Frage, die mir durch den Kopf ging war: „Warum ausgerechnet er, hätte es nicht ein anderer sein können?“ Jeder von uns kennt solche oder ähnliche Situationen, in der solche Fragen die Regel und nicht die Ausnahme sind. Egal was Sie sich fragen, Ihr Gehirn wird unbewusst oder bewusst eine adäquate Antwort suchen und häufig auch geben. Aus diesem Grunde unterscheide ich generell zwei verschiedene Typen von Fragen:

  1. einschränkende Fragen
  2. motivierende, lösungsorientierte Fragen.

Zu den einschränkenden Fragen will ich gar nicht viel sagen und schreiben. Dies sind Fragen, die uns in der Regel in ein „Gefühlshamsterrad“ treiben, das bedeutet, solche Fragen helfen weder bei der Lösung von Herausforderungen noch verbessern sie Ihre Gefühlslage. Viele Seminarteilnehmerinnen und -teilnehmer beschreiben eher ein Gefühl der Machtlosigkeit und der Hilflosigkeit. Fragen dieser Art sind zum Beispiel:

  • „Warum trifft es immer mich?“
  • „Wieso passiert sowas immer nur mir?“
  • „Wie konnte ich nur so blöd sein?“
  • „Warum beleidigt der mich so?“
  • „Was fällt dem denn ein so fies und mies zu mir zu sein?“
  • „Wieso bekomme ich nicht X oder Y?“
  • „Wie kann Sie/Er mir das nur antun?“

Obwohl man sich diese negativen Auswirkungen der einschränkenden Fragen bewusst machen kann, kommt es dennoch, wie im oben beschriebenen Todesfall, vor, dass wir uns diese – quasi wie im Reflex – stellen. Hier gilt es dann aber umzuschwenken, auf die zweite Möglichkeit sich Fragen zu stellen.

Nämlich motivierende, lösungsorientierte Fragen. Sie sind das genau Gegenteil, sie führen zu einer anderen Denkweise und zu Lösungen und nicht zu Blockaden. Sie vermitteln ein Gefühl der Motivation, des Könnens und Wollens.

Lösungsorientierte und motivierende Fragen sind:

  • „Was kann ich daraus lernen?“
  • „Wofür war dieses Erlebnis gut?“
  • „Wie könnte eine Lösung aussehen?“
  • „Wie passt dies zu meinen Zielen und Wünschen?“
  • „Womit kann ich im Moment zufrieden sein?“
  • „Was macht mich jetzt glücklich?“
  • „Lag es in meiner Hand, etwas anders zu machen?“
  • „Was hätte ich anders machen können?“
  • „Wen Liebe ich und wer liebt mich?“

Ab und zu werden Sie merken, dass die erste Antwort auf solche Fragen ein „niemand“, „nichts“ oder „weiß ich nicht“ ist. Das ist ganz normal wenn Sie verärgert sind, oder gerade eine Hiobsbotschaft erhalten haben. Aber lassen Sie sich damit nicht abspeisen; diese erste Nebelwand müssen Sie durchbrechen, dann wartet auf Sie der Sonnenschein von Motivation und ungeahnten Lösungen.

Positive Kommunikation mit Fragen und Antworten

So wie Sie diese Fragen für sich selber einsetzen können, so können Sie motivierende und lösungsorientierte Fragen auch im Gespräch mit anderen einsetzen. Aber bitte mit Feingefühl, also bei Liebeskummer nicht einfach losschießen und eine Frage nach der anderen stellen. Ab und zu – besonders wenn Ihr Gegenüber traurig oder resigniert ist, ist es auch sinnvoll, sie oder ihn in den Arm zu nehmen und mal für 10 Minuten nichts zu sagen oder zu fragen. Freilich geht das nur im vertrauten familiären oder freundschaftlichen Umfeld. Sie müssen auch nicht immer gleich eine Antwort parat haben, Sie sind ja nicht Mrs. oder Mr. Allwissend. Im Gespräch Verständnis zeigen und die ein oder andere Frage einstreuen, führt in der Regel schon zu einem Stimmungswechsel. Aus der Hilflosigkeit wird dann zumeist ein kleiner Hoffnungsschimmer. Bei einer konsequenten Nutzung der positiv motivierenden Fragen werden Sie sehr schnell feststellen, dass Lösungen für nicht erwünschte Überraschungen oder Herausforderungen leichter fallen.

Eine kleine Aufgabe habe ich noch für Sie. Beobachten Sie sich 3 Tage lang und schreiben alle Fragen auf, die Ihnen durch den Kopf gehen und überprüfen Sie diese dann, ob es eher einschränkende oder eher positiv motivierende, lösungsorientierte Fragen sind. Machen Sie diese Liste täglich.

Beginnen Sie mit dieser Übung am besten gleich beim Zähneputzen und machen sich bewusst welche Fragen Sie sich stellen bzw. schon gestellt haben. Dasselbe können Sie in jeder Pause machen oder wann es Ihnen gerade in den Sinn kommt. Abends vor dem Schlafen gehen noch mal alle Fragen aufschreiben und Sie haben einen sehr guten Überblick, was Ihnen so den ganzen Tag durch den Kopf geht. Am besten, Sie starten an einem Donnerstag und treiben dieses Spiel bis Samstagabend. Dann haben Sie sowohl die Fragen, die Sie sich im „täglichen“ Leben stellen, als auch die, die Sie sich am Wochenende stellen. Schreiben Sie bitte auch den Tag und die Uhrzeit zu den Fragen dazu. Am Sonntag schauen Sie sich die Liste an und vergleichen die unterschiedlichen Tage nach Uhrzeit. Stellen Sie sich ähnliche Fragen zur selben Zeit oder sind die Fragen sehr situationsabhängig? Trennen Sie die motivierenden, lösungsorientierten Fragen von den anderen. Wenn Sie mehr motivierende Fragen haben als einschränkende – Gratulation. Dann sind Sie auf dem besten Weg ein zufriedenes und langes Leben voller Erfüllung und Wohlstand zu genießen.

Einen Tipp habe ich für Sie dennoch:

  • Erstellen Sie eine Liste der eigenen Top 10 Motivationsfragen und schreiben Sie diese auf eine DIN A7 Karteikarte oder drucken Sie diese auf eine Visitenkarte und tragen Sie dies bei sich. Lesen Sie diese Karte in den nächsten 7 Tagen jeden Morgen und Abend. Wenn Sie das Gefühl haben, in einer Krisensituation könnten die Fragen auch helfen, spricht nichts dagegen, diese zusätzlich auch in solchen Momenten zu lesen.

So trainieren und vertiefen Sie dieses positive Frageschema und haben es im Fall der Fälle sofort abrufbereit. Für sich selbst oder im Gespräch mit anderen.

Happy Me - Der Glücksphilosoph

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